Warum ich von gesunder Kommunikation spreche

Viele sprachliche Gewohnheiten fühlen sich im Familienalltag ganz normal an. Schließlich sprechen alle so. Ihre Wirkung kann trotzdem eine andere sein als die, die Eltern sich für die Beziehung zu ihrem Kind wünschen.

Ich spreche deshalb von gesunder Kommunikation. Der Begriff richtet den Blick auf das Ziel: Verständnis, Klarheit, Verbindung, Selbstverantwortung und tragfähige Lösungen.

"Gesund" bezieht sich dabei auf das, was wir für "normal" halten. Für mich lautet die Unterscheidung: normal oder gesund.

Drei Begriffe, drei Blickrichtungen

Die Begriffe "normal", "gewaltfrei" und "gesund" richten den Blick jeweils auf etwas anderes:

Normale Kommunikation

Im Mittelpunkt steht, was üblich, vertraut und eingeübt ist.

Gewaltfreie Kommunikation

Im Mittelpunkt steht das Ziel, Kommunikation frei von Gewalt zu gestalten.

Gesunde Kommunikation

Im Mittelpunkt steht, was entstehen und wachsen soll.

Diese Unterscheidung hilft dabei, sprachliche Gewohnheiten und ihre Wirkung genauer anzuschauen.

Normale Kommunikation ist erlernte Kommunikation

Was wir als normal erleben, haben wir meist früh kennengelernt. Wir haben gehört, wie Erwachsene mit Kindern sprechen, wie sie Grenzen setzen und wie sie in Konflikten reagieren.

Viele dieser sprachlichen Muster begegnen uns bis heute: Vorwürfe, Befehle, Drohungen, Beschämungen oder das schnelle Verteilen von Schuld.

Unter Druck greifen wir besonders leicht auf solche vertrauten Formulierungen zurück. Sie sind schnell verfügbar und kommen oft schon über unsere Lippen, bevor wir bewusst über sie nachdenken.

Wie eine Art zu sprechen auf ein Kind und auf die Beziehung wirkt, zeigt sich in der jeweiligen Situation.

Was ich mit gesunder Kommunikation meine

Gesunde Kommunikation richtet sich auf das, was Eltern und Kinder auch in herausfordernden Situationen brauchen.

Sie fördert:

  • Verständnis und einen klaren Blick auf das Verhalten
  • Klarheit und den Respekt vor dem Kind
  • Verbindung und die Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse
  • Selbstverantwortung
  • Lösungen, die für alle Beteiligten tragfähig sind

Auch Meinungsverschiedenheiten, starke Gefühle und klare Grenzen gehören zu einer gesunden Kommunikation.

Eltern können deutlich sagen, was sie stört, was sie brauchen und wo ihre Grenzen liegen. Kinder können eigene Gefühle, Bedürfnisse und Sichtweisen ausdrücken. Beides bekommt Raum.

Von dem sprechen, was entstehen soll

Die Gewaltfreie Kommunikation und das, was ich gesunde Kommunikation nenne, liegen inhaltlich nah beieinander. Beide richten sich auf Verständnis, einen respektvollen Umgang und Lösungen, die die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigen.

Meine Entscheidung für den Begriff "gesund" betrifft die sprachliche Blickrichtung.

Der Begriff "gewaltfrei" stellt die Freiheit von Gewalt in den Mittelpunkt. Zugleich bleibt im Wort "gewaltfrei" die Gewalt sprachlich präsent.

Der Begriff "gesund" benennt unmittelbar das Ziel. Er richtet meine Aufmerksamkeit auf das, was in einem Gespräch entstehen und wachsen kann.

Deshalb spreche ich im ELTERN.training von gesunder Kommunikation.

Vom Normalen zum Gesunden

Die Unterscheidung zwischen "normal" und "gesund" begleitet mich schon lange.

Als junger Mann hat mich Georg Kühlewinds Buch "Vom Normalen zum Gesunden" beeindruckt. Kühlewind beschäftigt sich darin mit vertrauten Denk- und Verhaltensweisen. Sie erscheinen selbstverständlich, weil sie verbreitet und tief eingeübt sind. Ihre Verbreitung sagt jedoch noch nichts über ihre gesunde Wirkung aus.

Diesen Gedanken habe ich später auf die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern übertragen.

Auch sprachliche Gewohnheiten können so vertraut sein, dass wir sie kaum noch wahrnehmen. Ein Blick auf ihre Wirkung zeigt, wie sie zu dem beitragen, was wir uns für die Beziehung zu unserem Kind wünschen.

Vom Verstehen zum Können

Eine sprachliche Gewohnheit zu erkennen, ist ein wichtiger Anfang. Die Veränderung zeigt sich anschließend darin, wie wir im nächsten angespannten Moment reagieren.

Unter Zeitdruck, bei Erschöpfung oder mitten in einem Konflikt meldet sich meist zuerst die Sprache, die am stärksten eingeübt ist.

Gesunde Kommunikation entsteht deshalb durch Wissen und praktische Erfahrung. Neue Sätze und kommunikative Fertigkeiten werden erprobt und wiederholt. Dadurch stehen sie im Familienalltag zunehmend zur Verfügung - auch dann, wenn es schwierig wird.

Zwei Fragen an dich

Welche Sätze oder Reaktionen fühlen sich in deinem Familienalltag ganz normal an?
Und was tragen sie zu dem bei, was zwischen dir und deinem Kind entstehen soll?

Vielleicht fällt dir bereits eine typische Situation ein. Sobald eine Gewohnheit sichtbar wird, entsteht die Möglichkeit, sie bewusst weiterzuentwickeln.

Passt das ELTERN.training zu dir?

Jede Familie bringt eine eigene Geschichte und eine eigene Situation mit. Das Alter deines Kindes oder deiner Kinder, die Herausforderungen in eurem Alltag und deine eigene Verfassung – all das spielt dabei eine wichtige Rolle.

Im Quiz "Passt das ELTERN.training zu dir?" wählst du Antworten aus, die deine Situation und deinen Familienalltag am besten beschreiben. Anschließend erhältst du eine persönliche Rückmeldung dazu, ob und wie das ELTERN.training zu dir passt.

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